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Bildungsmaßnahmen für MigrantInnen

1    “Fachkräftemangel” in Oberösterreich
Aufgrund der guten Konjunktur ergeben sich Arbeitsbereiche, für welche die Unternehmen über zu wenig qualifizierte ArbeitnehmerInnen verfügen. Die vorhandenen ArbeitnehmerInnen sind für die zu besetzenden Stellen nicht bzw. zu wenig ausreichend qualifiziert und es entsteht ein “Mangel” an qualifiziertem Fachpersonal (vgl. Fritz, Huber & Huemer 2006, S. 47).
Für den Fachkräftemangel in den klassischen Branchen wie Bau, Technik, Metall und im Dienstleistungsbereich in Oberösterreich gibt es lt. wissenschaftlichen Studien (bspw. Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut, 2006) viele Ursachen. Erwähnenswert ist, dass der Mangel an Fachkräften ein Resultat der derzeit sehr guten Wirtschaftssituation in Österreich ist.

Eine Schlussfolgerung aus einer ersten Betrachtung der Ursachen für den Fachkräftemangel könnte zum Beispiel sein, dass die Unternehmen, bei welchen der Fachkräftemangel sehr deutlich zu spüren ist, nicht rechtzeitig begonnen haben Fachkräfte auszubilden. Die Möglichkeit, vorhandene Potenziale zu nutzen und die notwendige Qualifizierung in diesen Bereichen rechtzeitig zu forcieren wurde bis dato kaum genutzt. Beispielsweise werden ältere ArbeitnehmerInnen (+45) nach wie vor nicht als vorhandenes Potenzial an Fachkräften angesehen und dementsprechend nicht genutzt. Die vorhandenen finanziellen Fördermittel, welche  für die Zielgruppe “ältere ArbeitnehmerInnen” zur Verfügung stehen, werden seitens der Unternehmen kaum in Anspruch genommen.

Biffl (2006, S. 2 ff.) zeigt in einer Studie, dass “die Förderung der Frauenerwerbstätigkeit, die Aktivierung der Älteren und die gezielte Förderung der Integration von MigrantInnen in Zukunft noch stärker forciert werden muss”. Diese Zielgruppen bieten ein derzeit noch nicht erschöpftes Potenzial. Die Förderung und Qualifizierung von Älteren, Frauen und MigrantInnen wird zukünftig immer mehr an Bedeutung zunehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt der österreichischen Arbeitsmarktpolitik liegt in der Ausbildung von jugendlichen ArbeitnehmerInnen. Im Pakt für Arbeit und Qualifizierung, Förderungsprogramm 2007, nehmen die  Ausbildungsmaßnahmen für Jugendliche einen besonderen Stellenwert ein.  Die Ausbildung von Jugendlichen in Oberösterreich wird  in einem eigenen Kapitel dieser Arbeit ausführlich behandelt.

1.1    Die Wirtschaftslage in Oberösterreich
Seit den 90er Jahren gehört Oberösterreich aufgrund der sehr guten Konjunkturlage, zu den Bundesländern mit überdurchschnittlich hohem Beschäftigungszuwachs.

Die unselbständige Beschäftigung stieg im Zeitraum 1999 – 2005 in Oberösterreich um 14,7 % (im Vergleich zu 10,2 % in ganz Österreich). Dieses Beschäftigungswachstum verursachte einen enormen Anstieg an Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften auf dem oberösterreichischen Arbeitsmarkt und trug dadurch zu einer Verringerung der Arbeitslosigkeit bei. Dieser sehr positiv zu sehende Aspekt führte in weiterer Folge dazu, dass sich Oberösterreich im Bezug auf die Arbeitslosenquote immer weiter von den anderen Bundesländern absetzen konnte und somit als einer der erfolgreichsten Arbeitsmärkte Österreichs bezeichnet werden kann. Die nachhaltige Verringerung der Arbeitslosigkeit ist Schwerpunkt der oö. Arbeitsmarktpolitik (vgl. Fritz et al. 2006, S. 1 f.).

Als weitere Ursache des Fachkräftemangels, kann die Veränderung der Wirtschaftsstruktur in Richtung höher qualifizierter Aktivitäten genannt werden. Darunter ist zu verstehen, dass in Ländern, welche wirtschaftlich hoch entwickelt sind, der Trend zur Höherqualifizierung prognostiziert wird.

Auch der “Strukturwandel des Arbeitskräfteangebots, insbesondere die Alterung, der steigende Frauenanteil und die zunehmende Multikulturellität  stellen gesellschafts- und beschäftigungspolitische Herausforderungen dar” (Biffl 2006, S. 2). Die Herausforderung wird sich insbesondere in der Umschichtung von Arbeitskräften von wachstumsrückläufigen Branchen in Branchen mit zunehmendem Wachstum und der Flexibilität der Arbeitskräfte im Hinblick auf die Beschäftigungsverhältnisse, den veränderten Arbeitsbedingungen, Arbeitszeitmodellen und der Notwendigkeit zu lebenslangem Lernen zeigen (vgl. Fritz et al. 2006, S. 1 ff.).

Als wesentlichste Einflussgrößen, welche für den beschleunigten Strukturwandel verantwortlich sind, werden nach Freeman (zit. nach Fritz et al. 2006, S. 10) “der rasche technologische Wandel, welcher zum rascheren Einsatz von neuen Technologien führte, der sich ausweitende Handel mit weniger entwickelten Ländern der zu einer zunehmenden Spezialisierung der entwickelten Länder auf humankapitalintensive Produkte führte, die Änderungen in den Konsum- und Lebensgewohnheiten, die zu einer Tertiärisierung der Wirtschaftsstruktur führten und institutionelle Änderungen wie Privatisierung und Liberalisierung einzelner Branchen” erwähnt.

Zusammenfassend wird festgehalten, dass aufgrund des großen Wirtschaftswachstums Arbeitsbereiche nicht vollständig abgedeckt werden können und das vorhandene Potenzial an wirtschaftlicher Produktivität nicht vollständig ausgenutzt werden kann und daraus resultierend in vielen Arbeitsbereichen bzw. Branchen qualifizierte Arbeitskräfte als notwendige Ressource fehlen.

1.2    Die demografische Entwicklung in Oberösterreich
In Oberösterreich haben sich die Altersanteile in der Erwerbsbevölkerung gegenüber den letzten Jahrzehnten verschoben und die Bevölkerung Österreichs wächst, nach Auskunft der Statistik Austria, “aus demografischer Sicht, in erster Linie durch eine positive Wanderungsbilanz. Die Geburtenbilanz (Saldo aus Geburten und Sterbefällen) trägt dagegen vergleichsweise wenig zum Bevölkerungswachstum bei. Im Jahr 2006 wuchs die Bevölkerung um knapp 33.000 Personen und damit deutlich schwächer als in den Jahren 2004 und 2005 (+66.000 bzw. +59.000 Personen)” (Statistik Austria 2007).

1.2.1    Ältere Erwerbstätige in Österreich
Die Zahl der 15 bis 30-Jährigen geht bereits seit dem Jahr 1990 zurück. Seit 2000 ist die Zahl der Erwerbstätigen 45+ angewachsen. Dieser Trend wird bis zum Jahr 2020 anhalten. Im Jahr 2010 wird es in Oberösterreich schon mehr Erwerbstätige 50+ als 15-30 Jährige geben (vgl. Wage 2007)

Abbildung 1: Anteil der Erwerbstätigen nach Altersgruppen in Oberösterreich
Quelle: Statistik Austria, AK-Berechnungen

Wie in Abbildung 1 ersichtlich ist, wird sich unsere Gesellschaft von einer jungen und wachsenden Gesellschaft zu einer “alten” und tendenziell schrumpfenden Gesellschaft entwickeln. Das Ergebnis der vorhersehbaren demografischen Entwicklung in Österreich wird zukünftig zeigen, dass es immer weniger junge ArbeitnehmerInnen und mehr “alte” (50 +) ArbeitnehmerInnen geben wird. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die beschriebene Altersdynamik dahin führen wird, dass weniger junge Erwachsene auf den Arbeitsmarkt kommen und die Erwerbsbevölkerung altert.

Nachdem diese Entwicklung in vielen Unternehmen noch nicht das notwendige Bewusstsein hervorgerufen hat, wird es vermehrt zur Aufgabe der oberösterreichischen Bildungspolitik werden, geeignete Maßnahmen zu treffen, um die oberösterreichische Wirtschaft auf diese altersspezifische Entwicklung vorzubereiten. Vorhandene Potenziale sollen genutzt und entsprechend qualifiziert werden, um einen Beitrag zur Deckung der stetig steigenden Anforderungen des oberösterreichischen Arbeitsmarktes leisten zu können.

1.2.2    Migration in Österreich
Dieses Kapitel stützt sich weitgehend auf Berechnungen und Auswertungen der Statistik Austria, welche auf Basis der Volkszählung 2001 durchgeführt wurden:

“Für Österreich konnte erstmals mit der Volkszählung 2001 die Einwohnerzahl der Menschen mit Migrationshintergrund ermittelt werden. Die Ergebnisse der Statistik Austria zeigen, dass mit 1. Jänner 2007 rund 16 % der Bevölkerung bzw. 1,353 Mio. Menschen in Österreich mit Migrationshintergrund leben” (Statistik Austria 2007).

Laut Statistik Austria (2007) werden hier “jene Personen, als Personen mit Migrationshintergrund bezeichnet, die im Ausland geboren wurden sowie jene Personen, welche zwar im Inland zur Welt kamen, aber keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Durch die Kombination der Merkmale Geburtsland und Staatsangehörigkeit konnte die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund seit der Volkszählung 2001 erstmals vollständig erfasst werden. Die Staatsangehörigkeit einer Person gibt nicht notwendigerweise Auskunft darüber, ob jemand ein Zuwanderer ist oder nicht”. Die Kinder ausländischer Staatsangehöriger, welche in Österreich geboren wurden, gelten streng genommen nicht als Zuwanderer werden aber, wie auch alle im Ausland geborenen und inzwischen eingebürgerten Personen, der Gruppe der Zuwanderer zugerechnet.

Nach einer Berechnung der Statistik Austria, lebten mit 1. Jänner 2007 1.301.144 Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft und 104.530 Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft in Oberösterreich.

Bei den Personen mit Migrationshintergrund unterscheidet man im Wesentlichen in  Personen mit primärem, sekundärem und tertiärem Migrationshintergrund.

Von den in Österreich lebenden Personen (8.299 Mio.) kamen rund 15 % (1.236 Mio.) im Ausland zur Welt. Mehr als die Hälfte (52 %) aller im Ausland geborenen Personen hatten noch eine ausländische Staatsangehörigkeit (primärer Migrationshintergrund), rund 9 % der Personen machten die in Österreich geborene AusländerInnen (sekundärer Migrationshintergrund) aus und 39 % die Zahl der österreichischen Staatsangehörigen, welche im Ausland geboren wurden (tertiärer Migrationshintergrund).

Insgesamt gab es in Österreich zu Jahresanfang (1. Jänner 2007) 1.353 Mio. Menschen (16 % der Gesamtbevölkerung) mit Migrationshintergrund. Im Bundesland Oberösterreich lebten mit 1. Jänner 2007 rund 183.614 Menschen mit Migrationshintergrund (vgl. Statistik Austria, 2007).

Tabelle 1: Bevölkerung am 1.1.2007 nach Migrationshintergrund und Bundesländern
Gesamt    Migrationshintergrund
nein    ja
abs.    abs.    abs.    in %
Österreich    8.298.923    6.946.309    1.352.614    16,3
Burgenland    280.257    256.986    23.271    8,3
Kärnten    560.407    503.956    56.451    10,1
Niederösterreich    1.589.580    1.415.994    173.586    10,9
Oberösterreich    1.405.674    1.222.060    183.614    13,1
Salzburg    529.574    435.092    94.482    17,8
Steiermark    1.203.918    1.085.819    110.099    0,8
Tirol    700.427    591.276    109.151    15,6
Vorarlberg    364.940    293.881    71.059    19,5
Wien    1.644.146    1.141.245    522.901    31,4

Quelle: Statistik Austria; Statistik des Bevölkerungsstandes.

In der Studie “Wanderungsstatistik 2005″ der Statistik Austria zeigt sich, dass “seit 2001 wieder ein “beträchtlicher Anstieg der Zuwanderung, verstärkt durch Zuwanderung von begünstigten Drittstaatsangehörigen sowie von Bürgern aus anderen EU-Staaten zu verzeichnen ist” (Statistik Austria 2007, S. 13).

Abbildung 2: Wanderungssaldo 1961 bis 2005 nach Staatsangehörigkeit
Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsfortschreibung: 1998 bis 2001 Wanderungsstatistik, ab 2002: MIGSTAT.

Aufgrund der ansteigenden Zuwanderungen in den kommenden Jahren und dem in Österreich bzw. Oberösterreich lebenden Personen mit Migrationshintergrund, stellen MigrantInnen ein wesentliches Arbeitskräftepotenzial dar. Seitens der Wirtschaftspolitik soll dieses Potenzial verstärkt genutzt und ausgebildet werden.
2    Politische und bildungspolitische Maßnahmen für ArbeitnehmerInnen in Oberösterreich
“Nach Schätzungen der Wirtschaftskammer OÖ und dem Arbeitsmarktservice fehlen den österreichischen Unternehmen bis 2009 rund 50.000 qualifizierte Fachkräfte. Lt. dem Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Dr. Martin Bartenstein, ist der Mangel an Fachkräften besonders in Wirtschaftszweigen mit hoher Wertschöpfung eklatant und wirkt in diesen Bereichen wachstumshemmend” (Bartenstein 2007). Um dem Wirtschaftswachstum standhalten zu können, müssen zum einen Maßnahmen, welche kurzfristig dem Fachkräftemangel Abhilfe leisten, aber zum anderen auch bildungspolitische Maßnahmen getroffen werden, welche zukunftsorientiert ausgerichtet sind und nachhaltige Wirkung zeigen.

Um den Bedarf an Fachkräften, insbesondere für den Metallbereich (Dreher, Schweißer etc.), kurzfristig abdecken zu können, wurde die Fachkräfte-Verordnung 2007 (Verordnung zur Überziehung der Bundeshöchstzahl für die befristete Beschäftigung von ausländischen Fachkräften) mit 1. Mai 2007 in Kraft gesetzt. Im Rahmen eines Pilotversuches wurde den Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt, 800 Fachkräfte aus den neuen EU-Mitgliedstaaten (für max. 50 Wochen) zu beschäftigen.

Diese Maßnahme soll jedoch nur kurzfristig und nicht langfristig das Problem des Fachkräftemangels in Österreich lösen.

2.1    Der Pakt für Arbeit und Qualifizierung (PAQ OÖ)
Als Qualifizierungs- und Bildungsmaßnahme wurde in Oberösterreich im Jahr 1999 der “Der Pakt für Arbeit und Qualifizierung” gegründet. Hierbei handelt es sich um ein gemeinschaftliches Förderungsprogramm von Arbeitsmarktservice Oberösterreich, Land Oberösterreich, Bundessozialamt  Landesstelle Oberösterreich (seit 2007), Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer OÖ, Industriellenvereinigung und ÖGB sowie des Landesschulrates für OÖ zur weiteren Reduzierung der Arbeitslosigkeit.

Dieser Pakt ist Teil eines, seitens der österreichischen Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik gegründeten “Hilfsinstrumentes”, um die Wirtschafts- und Strukturpolitik, die Bildungs- und Regionalpolitik in den einzelnen Bundesländern bestmöglich abstimmen zu können. Es handelt sich dabei um die “Territorialen Beschäftigungspakte Österreichs”.

Ziel der territorialen Beschäftigungspakte ist es, zur Verbesserung der Arbeitsmarktlage in den Regionen beizutragen. “Die partnerschaftliche Zusammenarbeit soll die Erhöhung der Wirksamkeit und Effizienz des Mitteleinsatzes, die Verbesserung der Betreuung bestimmter Zielgruppen, die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, die Sicherung von Fördermitteln für die Region und die nachhaltige Sicherung des Lebensraumes bewirken” (vgl. Territoriale Beschäftigungspakte in Österreich 2007).

Das von den Sozialpartnern beschlossene Förderungsprogramm, erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den Paktpartnern und hat die Erfüllung einer Reihe gemeinsam gesetzter Zielsetzungen zur Aufgabe. Die Sozialpartner und der Landesschulrat sind an der Umsetzung und der Modifizierung aktiv beteiligt.

Die Zielsetzungen lassen sich in folgende Bereiche gliedern:

?    die Verbesserung der Vermittelbarkeit, insbesondere langzeitbeschäftigungsloser Personen,

?    die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt,

?    die Entwicklung des UnternehmerInnengeistes,

?    die Förderung der Anpassungsfähigkeit von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen an den strukturellen Wandel und

?    die Förderung der Chancengleichheit.

“Der Aufbau der Beschäftigungspakte war ein Meilenstein in der österreichischen Arbeitsmarktpolitik. Seither können wir gemeinsam mit den Regionen arbeitsmarktpolitische Probleme lösen”
(Bartenstein 2007)

2.1.1    Zielgruppen des PAQ
Das Förderprogramm des “Pakt für Qualifizierung und Arbeit” soll, wie bereits im Kapitel 2.1 beschrieben, zur Verbesserung der Arbeitsmarktlage in Oberösterreich beitragen. Jährlich wird das Förderprogramm auf die zu unterstützenden und zu qualifizierenden Zielgruppen abgestimmt. Für das Jahr 2007 werden nachstehend angeführte Zielgruppen genannt (Arbeitsmarktservice Oberösterreich 2007):

•    Jugendliche (Pflicht-) SchulabgängerInnen und junge Erwachsene,

•    Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf am Übergang Schule-Beruf,

•    Jugendliche mit Beeinträchtigungen am ersten Arbeitsmarkt bis 25 Jahre,

•    erwachsene Langzeitbeschäftigungslose,

•    arbeitslose Frauen, älter als 45 und Männer, älter als 50,

•    (arbeitslose) Menschen mit Behinderung,

•    potenzielle UnternehmensgründerInnnen,

•    öffentliche Bauauftraggeber und Wohnbauförderer sowie Arbeitskräfte in Branchen mit saisonal wechselnder Auftragslage,

•    OÖ Betriebe, die qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Kreis der beim AMS arbeitslos registrierten Personen suchen und in die Ausbildung dieser künftigen ArbeitnehmerInnen im Rahmen des Modells Implacementstiftung investieren wollen,

•    arbeitskräftenachfragende Unternehmen, die beim Aufbau von Arbeitskräftepotenzialen aus dem Kreis arbeitslos vorgemerkter Personen über die Durchführung bedarfsorientierter Bildungsvorhaben oder behinderter Personen ohne Berufsschutz im Rahmen von Ausbildungen der beruflichen Rehabilitation unterstützt werden,

•    Frauen, die gezielte Unterstützung für den Wiedereintritt in das Beschäftigungssystem brauchen, sowie

•    OÖ Betriebe, die in die Qualifizierung ihrer MitarbeiterInnen investieren möchten,

•    OÖ Betriebe, die Menschen mit Behinderung beschäftigen oder beschäftigen wollen (vgl. Arbeitsmarktservice Oberösterreich 2007).

2.1.2    Maßnahmen des PAQ
Im PAQ OÖ (Pakt für Arbeit und Qualifizierung für Oberösterreich, Förderprogramm 2007) werden Maßnahmen festgelegt, welche dazu beitragen sollen, dem Fachkräftemangel in Oberösterreich entgegen zu wirken. Zur besseren Veranschaulichung werden einige Bereiche der förderbaren Maßnahmen angeführt (vgl. Arbeitsmarktservice Oberösterreich 2007):

•    Berufsstart für Jugendliche und junge Erwachsene

•    Neustart für langzeitbeschäftigungslose Erwachsene und für ältere Arbeitslose

•    Neustart für Menschen mit Behinderung

•    Personen mit UnternehmerInnengeist sollen verstärkt zu erfolgreicher Betriebsgründung motiviert und dabei unterstützt werden

•    Anpassung an den strukturellen Wandel

•    Reduzierung saisonaler Arbeitslosigkeit

•    Anpassung an die technologischen und organisatorischen Entwicklungen

•    Qualifizierung von Arbeitskräften für Oö. Betriebe

•    Implementierung von RegionalmanagerInnen für Arbeit

•    Implementierung von Placement PromotorInnen

Um qualifizierte Arbeitskräfte für oberösterreichische Betriebe gewinnen zu können und vermehrt Jugendliche auszubilden, wurden im Pakt für Arbeit und Qualifizierung, JASG Lehrgänge und überbetriebliche Ausbildungen gem. § 30 BAG (Berufsausbildungsgesetz), vereinbart. Diese Bildungsmaßnahmen “regeln die zusätzliche Bereitstellung von Lehrausbildungsplätzen in Form eines Auffangnetzes für jugendliche Lehrstellensuchende, die nach Beendigung ihrer Schulpflicht keine geeignete Lehrstelle gefunden haben”.

Durch die Bundesrichtlinie “Beihilfe zur Förderung von Ausbildungsverhältnissen nach dem Berufsausbildungsgesetz” (Arbeitsmarktservice Österreich 2005) werden nachstehend angeführte arbeitsmarktpolitische Ziele formuliert:

•    Integration von arbeitsmarktpolitischen Problemgruppen in den Arbeitsmarkt (Vermittlungsunterstützung)

•    Entgegenwirken von Benachteiligungen der Frauen am Arbeitsmarkt

•    qualitative Verbesserung der Lehrausbildung (zwischenbetriebliche Zusatzausbildung)

•    Verringerung des Lehrstellendefizits durch die Schaffung von Ersatzlehrstellen

•    Erleichterung des Antrittes bzw. Übertrittes in einen Lehrberuf

•    Schaffung zusätzlicher Lehrstellen

2.2    Die FEM-Implacement Stiftung
Um qualifizierte Arbeitskräfte für oberösterreichische Betriebe gewinnen zu können wurden Arbeitsstiftungen eingerichtet. Um auch hier dem Fachkräftemangel entgegen wirken zu können und die Chancengleichheit für Frauen zu fördern, wurde im Jahr 2005 die FEM-Implacement Stiftung gegründet.

Die FEM-Implacement Stiftung ist ein spezielles Angebot für Frauen welches durch das Arbeitsmarktservice OÖ und das Land OÖ gefördert wird. Durch diese Stiftung wird ca.  500 Frauen die Möglichkeit geboten, in handwerklich-technischen Berufen ihren Berufsabschluss zu machen. Bei den Zielgruppen handelt es sich zum einen um Frauen, deren letztes Dienstverhältnis gekündigt bzw. einvernehmlich aufgelöst wurde und welche über keine Berufsausbildung verfügen und zum anderen um Wiedereinsteigerinnen. Durch die FEM-Stiftung erhalten Frauen die Möglichkeit, einen Lehrabschluss in einem nicht für Frauen traditionellen Berufsfeld zu erlangen.

Um sich für eine Ausbildung im handwerklich-technischen Bereich zu entscheiden, werden den Frauen Berufsorientierungskurse in den Bereichen Elektro, Elektronik, Solarenergie, Holz, Metall und Kunststoff angeboten. Im Anschluss an diese Orientierungskurse werden den Teilnehmerinnen Vorbereitungsmodule angeboten, deren Ziel der Abschluss einer Implacement-Vereinbarung mit einem geeigneten Ausbildungsbetrieb ist. (vgl. Pakt für Arbeit und Qualifizierung 2007, S. 20 f.) Die Ausbildungsinhalte sind in 3 Module aufgeteilt und beinhalten eine laufende Begleitung der Teilnehmerinnen.

Die Finanzierung der FEM-Implacement Stiftung erfolgt zu 75 % aus Mitteln des Landes OÖ (bis max. € 2200,00 pro Teilnehmerin). Durch das Arbeitsmarktservice OÖ erfolgt eine finanzielle Unterstützung in Form des Schulungsarbeitslosen-
geldes bzw. einer entsprechenden Leistung aus Fördermitteln und einem Stipendium. Die Finanzierung der Ausbildungskosten für die Berufsorientierung und die Ausbildungsvorbereitung werden ebenfalls vom Arbeitsmarktservice OÖ übernommen. Die Unternehmen finanzieren einen monatlichen Stiftungsbeitrag (ca. 300,00 bis 400,00 Euro monatlich) für Organisationskosten bzw. offene Ausbildungskosten (vgl. Arbeitsmarktservice Oberösterreich, 2007).

2.3    Implacement
Durch die Implacementstiftung wird ein Instrument zur Verfügung gestellt, welches den Unternehmen die Möglichkeit bietet, neue MitarbeiterInnen zu rekrutieren. Die neuen MitarbeiterInnen werden entsprechend den betrieblichen Anforderungen und Erfordernissen der jeweiligen Unternehmen qualifiziert. Unter Implacement bezeichnet man die Kombination von Qualifizierung der MitarbeiterInnen im Betrieb und Aus- und Weiterbildung in einer Bildungseinrichtung.

Das Implacement verfolgt mit seiner Zielsetzung, dass es den Betrieben ermöglicht wird, ihr “betriebsinternes” Fachkräftepotenzial auszubauen (speziell im Hinblick auf nachfrageorientierte und arbeitsplatzgenaue Ausbildung) und dass arbeitslose Personen, auf Grundlage eines speziell erstellten Bildungsplanes eine, auf die besonderen Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmte, Qualifizierung und einen gesicherten Arbeitsplatz erhalten (vgl. Arbeitsmarktservice Oberösterreich 2005).

Die Finanzierung des Implacement bzw. der Implacementstiftung erfolgt zu 75 % aus Mitteln des Landes OÖ. Die Finanzierung durch das Arbeitsmarktservice OÖ erfolgt in Form des Schulungsarbeitslosengeldes. Die Unternehmen finanzieren einen Beitrag von ca. 300,00 bis 400,00 Euro monatlich je MitarbeiterIn für Organisationskosten, ein Stipendium oder noch offene Ausbildungskosten, für die künftigen MitarbeiterInnen.

2.4    Die Fachkräfteintensivausbildung
Die Fachkräfteausbildung ist zentraler und aktueller Schwerpunkt der Arbeits- und Bildungspolitik in Österreich. Aufgabe der Bildungspolitik ist es, Maßnahmen zu treffen, die den Fachkräftemangel in den Branchen Bau, Technik, Metall und im Dienstleistungsbereich auch langfristig beseitigen können. An erster Stelle der Fachkräfteausbildung steht das duale Bildungssystem. Darunter ist die Kombination von Ausbildung im Unternehmen und in der Berufsschule zu verstehen.

In dieser Arbeit soll in einem eigenen Kapitel auf die Probleme, welche das duale Bildungssystem mit sich bringt, eingegangen werden. Einige Fragen, welche in diesem Zusammenhang beantwortet werden sollen, lauten: “Welchen Stellenwert hat die Lehre bei den Jugendlichen von heute? Wie haben sich die Lehrberufe in den letzten Jahren entwickelt?”

Als zweite Ausbildungsvariante wird die Fachkräfteintensivausbildung untersucht, wobei es sich um eine Ausbildungsalternative handelt, welche durch das AMS als Um- und Nachschulung für Erwachsene angeboten wird. Die Umsetzung der Fachkräfteintensivausbildung soll in allen Bundesländern forciert und gefördert werden und ist somit für das Bundesland Oberösterreich von Relevanz.

Seitens der Wirtschaftspolitik, dem AMS und den ArbeitnehmerInnenvertretern werden Bildungsmaßnahmen angeboten, welche in dieser Arbeit evaluiert werden sollen. Es soll überprüft werden, welche Wirkung(en) die Bildungsmaßnahmen bei der Zielgruppe MigrantInnen erreichen und welchen Nutzen diese für die TeilnehmerInnen bringen.

Eine Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes (2006) zeigt, dass die Zukunft der Ausbildung von Fachkräften, in der Qualifizierung von Jugendlichen, älteren Personen, Wiedereinsteigerinnen und MigrantInnen liegt. Um verwertbare Ergebnisse aus diesem breiten Spektrum zu bekommen und um diese in weiterer Folge analysieren zu können, habe ich für meine Untersuchung jene Bildungsmaßnahmen gewählt, welche für die Zielgruppe MigrantInnen angeboten werden.

2.4.1    Fachkräfte aus dem Potenzial von MigrantInnen qualifizieren
Durch die “Fachkräfteverordnung” (sh. Kapitel 2) wird es den Unternehmen kurzfristig ermöglicht, Fachkräfte aus den neuen EU-Mitgliedstaaten nach Österreich zu holen und für max. 50 Wochen zu beschäftigen. In den derzeit aktuellen Diskussionen wird seitens der Politik eine weitere Ausdehnung dieser Verordnung gefordert. Der Fachkräftemangel in Österreich soll nicht zur “Wachstumsbremse” werden und der Arbeitsmarkt schrittweise für neue EU-Länder geöffnet werden.

Um diese Problematik bestmöglich lösen zu können und ausreichend qualifizierte Fachkräfte für die Österreichische Wirtschaft zu bekommen, wurden die in Oberösterreich politisch verantwortlichen Personen, auf die Nutzung von vorhandenem und noch nicht erschöpftem Potenzial aufmerksam.

Laut Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (vgl. Fritz et al. 2006, S. 227) ist “die Gruppe der in Oberösterreich lebenden Personen mit Migrationshintergrund keine zu vernachlässigende Gruppe mehr”. “Im Jahr 2001 waren rund 10 % der in Oberösterreich wohnhaften Bevölkerung im Ausland geboren. Rechnet man zu diesen Personen jene der zweiten Generation hinzu, kann davon ausgegangen werden, dass mittlerweile jede 8. bis 9. in Oberösterreich wohnhafte Person einen Migrationshintergrund hat. Es gehen überdies alle Bevölkerungsprognosen davon aus, dass der Anteil der im Ausland Geborenen aufgrund erhöhter Zuwanderung, in den nächsten Jahren noch stark steigen wird. Österreichweit könnte er laut Bevölkerungsprognosen im Jahr 2020 bereits 18 % betragen.”

Wie im Kapitel 1.2.2 angeführt und ausführlich erläutert wurde, beträgt der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund dzt. in Österreich 16 %.
Auf Grundlage dieses Untersuchungsergebnisses wurde durch das Land OÖ und das Arbeitsmarktservice OÖ ein Pilotprojekt gestartet. Im Jahr 2007 werden min. 50 MigrantInnen im Metallbereich eine Ausbildung zu qualifizierten Facharbeitern erhalten. Diese Ausbildung dauert zwischen 12 bis 16 Wochen und soll MigrantInnen befähigen, als Fachkräfte in Branchen mit Fachkräftemangel (Bau, Metall, Technik und Dienstleistungsbereich) für oberösterreichische Betriebe tätig zu sein.

Frage1:
Kann die Ausbildungsmaßnahme, in Form der Facharbeiterintensivausbildung für MigrantInnen, welche seitens des Landes OÖ und des AMS gefördert und durch das Berufsförderungsinstitut (BFI) umgesetzt wird, dazu beitragen, Fachkräfte zu qualifizieren?

Frage2:
Können die untersuchten Maßnahmen dazu beitragen, den Fachkräftemangel in Oberösterreich nachhaltig zu verringern?

Frage 3:
Erfüllen die Ausbildungsmaßnahmen die Anforderungen, welche aufgrund des Fachkräftemangels in den Branchen Bau, Technik, Metall und im Dienstleistungsbereich gestellt werden?

2.4.1.1    Begriffe der Migration
Nach Treibel (1991, S. 21) wird Migration wie nachstehend angeführt definiert:
“Migration ist der auf Dauer angelegte bzw. dauerhaft werdende Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen. So verstandene Migration setzt erwerbs-, familienbedingte, politische oder biographisch bedingte Wanderungsmotive und einen relativ dauerhaften Aufenthalt in der neuen Region oder Gesellschaft voraus.”

Als MigrantInnen werden in dieser Arbeit Personen bezeichnet, welche keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, keine österreichischen Staatsbürger sind, und deren Asylverfahren abgeschlossen ist. Als MigrantInnen werden auch Personen bezeichnet, welche zwar die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, deren Geburtsort jedoch nicht in Österreich liegt (migrantische Herkunft).

In der Literatur werden unterschiedliche Formen der Migration beschrieben. Für die zu untersuchende Zielgruppen werden die Arbeitsmigration und die Flüchtlingsmigration von Bedeutung sein.

2.4.1.2    Kritische Faktoren der Integration
Unter Integration wird nach Polgar (2002, S. 59) “ein Prozess bezeichnet, wie Menschen in soziale Systeme eingegliedert und Teil desselben werden. Es kann also prinzipiell von einem Vergesellschaftungsprozess gesprochen werden, zu dem es unterschiedlichste Theoriekonzepte gibt. Integration als Vergesellschaftungsprozess umfasst ein konstituierendes Merkmal der Gesellschaft, nämlich den Gemeinsamkeitsglauben ihrer Mitglieder”.

In einer aktuellen Studie des Österreichischen Institutes für Jugendforschung (2007), wurden “die Auswirkungen von Sozialkapital und kulturellem Kapital auf Bildungsentscheidungen und Arbeitsmarktbeteiligung” an jugendlichen MigrantInnen untersucht. Dieser Abschnitt befasst sich u. a. mit den wesentlichen Ergebnissen und Erkenntnissen dieser Studie.

Die MigrantInnen, welche in Österreich leben werden oftmals im Volksschulalter mit Problemen der Integration konfrontiert. Die Lehrkräfte entwickeln im Hinblick auf die jugendlichen MigrantInnen Vorurteile und prognostizieren sprachliche Defizite als ein zukünftiges allgemeines Lernversagen. Auch die kulturelle Andersartigkeit wird von den Lehrkräften mit offensichtlichen Lernschwierigkeiten in Verbindung gebracht. Die Vorurteile werden dadurch verstärkt, dass die Ursachen für Schulprobleme auf das soziale Umfeld der Kinder bezogen werden (vgl. Brüsemeister 2007, S. 8).

Wallace, Wächter, Blum & Scheibelhofer (2007, S. 134) weisen darauf hin, dass “Diskriminierungsverfahren für Migrationsjugendliche in Schule und Beruf “üblich” sind. Die Handlungen der  Diskriminierung werden von Mitschülern, LehrerInnen und KollegInnen gesetzt”. Ein wesentlicher Grund für Diskriminierung ist der Mangel an Deutschkenntnissen. Auf die Ausbildung der Sprachkenntnisse sollte bereits im frühen Alter der jungen MigrantInnen ein besonderer Schwerpunkt gelegt werden. Die Defizite, welche sich bei einer Vernachlässigung der Sprachprobleme ergeben, sind “im späteren Bildungsverlauf nur schwer behebbar” (Wallace et al. 2007, S. 144).

Nach Wallace et al. (2007, S. 135) werden  “Migrationsjugendliche aufgrund ihres Namens, ihrer Religion und ihres kulturellen Hintergrundes verspottet”.

Die Diskriminierung umfasst auch Bereiche in den MigrantInnen beruflich tätig sind. Die Probleme beginnen mit der Suche nach einem geeigneten Lehrplatz bzw. einem Arbeitsplatz. Die MigrantInnen werden mit Vorurteilen konfrontiert, welche sich auf ihr Herkunftsland oder ihren ausländischen Namen beziehen. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Einstellung von jugendlichen MigrantInnen für die ArbeitgeberInnen oft mit zeitaufwendigen und bürokratischen Aufwand (Ansuchen um Arbeitserlaubnis etc.) verbunden ist. In einem Beitrag zur “Education for Democratic Citizenship” zeigen Dichatschek, Meier & Meister (2007), dass mögliche Gründe für Diskriminierung aus Erfahrungen der Arbeitgeber, wie bspw. mangelnde Kundenakzeptanz, Urlaubsüberziehungen, Verweigerung von Tätigkeiten, hohe Abbruchsquoten etc., resultieren.

Die  Dequalifzierung von MigrantInnen stellt ein wesentliches Problem der Integration dar. Viele MigrantInnen verfügen über Qualifikationen (bspw. Studien und Berufsausbildungen), welche in Österreich nicht anerkannt werden.
Untere Dequalifizierung von MigrantInnen ist u.a. zu verstehen, dass diese nicht immer einen Beruf ausüben, welchen sie in ihrem Herkunftsland ausgeübt haben. Die berufliche Position im Einwanderungsland lässt sich nicht immer mit der beruflichen Tätigkeit im Herkunftsland vergleichen. Das heißt, dass MigrantInnen oftmals nicht einen ihren Qualifikationen entsprechenden Beruf ausüben. Die berufliche Einstufung der MigrantInnen in ihrem Einwanderungsland ist von großer Bedeutung, da diese in ihren Herkunftsländern oft in “höher qualifizierten” Positionen eingesetzt wurden (vgl. Demel & Bender 1999, S. 37 ff.).

Inwieweit die Qualifikationen der arbeitsuchenden MigrantInnen in Oberösterreich berücksichtigt werden, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Auswahlkriterien und Faktoren für die Zuweisung einer Bildungsmaßnahme berücksichtigt werden. Wurde die Qualifikation der TeilnehmerInnen berücksichtigt? Diese Frage wird im Rahmen der empirischen Untersuchung beantwortet.

Laut dem Integrationsbericht 2006 (S. 40) kann zusammenfassend festgehalten werden, dass “die Förderung von MigrantInnen schon im Vorschulalter notwendig ist, um einen gleichen Zugang zu allen Schulformen und zur berufsbezogenen Ausbildung zu gewährleisten. Auch die Möglichkeit berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen besuchen zu können soll für Erwachsene erleichtert werden. Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, das Bildungsniveau der Erwachsenen zu steigern und vermehrt berufliche Aufstiegschancen zu schaffen”.

In meiner Arbeit wird auf die unterschiedlichen Formen bzw. Theorien der Integration noch umfassender eingegangen.

3    Relevanz und Neuigkeitswert der Forschungsfrage
Der “Fachkräftemangel in Oberösterreich” wurde zu einem, die Medien bestimmenden und in vielen Bereichen (Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Land OÖ, Wirtschaftskammer OÖ etc.) diskutierten Thema. Die Diskussion wurde aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage in Österreich und der stetigen Nachfrage an qualifizierten Fachkräften, ausgelöst. Die Auswirkungen der anhaltenden guten Konjunkturlage machen sich im Beschäftigungszuwachs und in einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenrate bemerkbar.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Branchen Bau, Technik, Metall und im Dienstleistungsbereich wird aufgrund des Wirtschaftswachstums, laut den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitutionen, auch in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau bleiben.

Die “stille Arbeitskräftereserve”, welche sich während der “verhaltenen” Wirtschaftswachstumsphasen bildet, ist aufgrund der anhaltenden Arbeitskräftenachfrage bereits erschöpft (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 2006, S. 27 f.). Die Prognosen für die nächsten Jahre lassen kein deutliches Abflachen des Wirtschaftswachstums erwarten und die Nachfrage an Fachkräften wird weiter ansteigen. Es liegt im Verantwortungsbereich der österreichischen Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, durch geeignete Maßnahmen, den Fachkräftemangel effektiv entgegen zu wirken.

Seitens der Wirtschafts- und Bildungspolitik wurde eine Ausbildungsoffensive hinsichtlich der Ausbildung von zukünftigem Facharbeiterpotenzial gestartet und es ist  für die Untersuchung bzw. das Ergebnis dieser Arbeit notwendig, eine Auswahl von Bildungsmaßnahmen zu treffen, um diese in weiterer Folge evaluieren und analysieren zu können.

Aufgrund bisher durchgeführter Literaturrecherchen konnte festgestellt werden, dass lt. einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (2006), ein noch vorhandenes Ausbildungspotenzial für zu qualifizierende Fachkräfte, in den Zielgruppen Ältere Personen, Frauen und MigrantInnen zu finden ist.
Bei den Ausbildungsmaßnahmen, welche Grundlage meiner Untersuchung sein werden, handelt es sich um die berufliche Qualifizierung von MigrantInnen.
Die ausgewählte Zielgruppe der MigrantInnen wird zukünftig immer mehr an Bedeutung gewinnen und bietet ein großes, nutzbares Potenzial für die Qualifizierung von Fachkräften.

Der theoretische Kern dieser Arbeit besteht in der Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes und dem daraus resultierenden Angebot bzw. der Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften. Die verstärkte und anhaltende Nachfrage an Fachkräften in den Branchen Bau, Metall, Technik und im Dienstleistungsbereich, wirkt sich nicht nur auf die oberösterreichische Bildungspolitik aus. Die aktuelle Arbeitsmarktsituation erfordert eine Forcierung der Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, um weiterhin vermehrt Fachkräfte qualifizieren zu können. Die oberösterreichische Wirtschaftspolitik hat auf die steigende Nachfrage und den Bedarf an Fachkräften reagiert:

Die Nutzung des Potenzials von MigrantInnen steht im Mittelpunkt des wirtschaftspolitischen Interesses. Im Pakt für Arbeit und Qualifizierung 2008 wird die Zielgruppe “MigrantInnen” erstmals aufgenommen. Bereits im Sommer 2007 wurde mit einer Ausbildungsoffensive für MigrantInnen gestartet.

Mit der Ausbildung von MigrantInnen sind unweigerlich gesellschaftskulturelle Konflikte (sh. Abschnitt 2.4.1.2) verbunden. Ob und inwieweit diese Konflikte die Bildungsmaßnahmen und dadurch den Lernerfolg für die Ausbildungs-teilnehmerInnen beeinflussen und sich daraus resultierend mögliche Konsequenzen  für den Arbeitsmarkt ergeben, wird ein wesentlicher Teil der Untersuchung zeigen.

Wie Biffl (2006, S. 3) in einer Studie feststellte, sind “verstärkte Aus- und Weiterbildungsanstrengungen im Zusammenhang mit der Verbesserung der Integration von neu zuwandernden sowie längerfristig in Österreich ansässigen Personen mit Migrationshintergrund nötig”. Nur so ist es möglich, die Qualifikation der Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund an die Anforderung einer wissensbasierten Gesellschaft anpassen zu können. Ob und wie sich die Ausführungen von Biffl in den dzt. umgesetzten Bildungsmaßnahmen wieder finden, ist Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit.

Im Zuge der theoretischen (Literaturrecherchen) und der praktischen Auseinandersetzung in Form von Gesprächen mit den verantwortlichen Experten, sollen nachstehend angeführte Fragen beantwortet werden:

-    Warum wurde das Potenzial, welches in der Ausbildung von MigrantInnen liegt, nicht schon viel früher erkannt und genutzt?

-    Mit welchen Problemen sind MigrantInnen am österreichischen Arbeitsmarkt konfrontiert?

-    Welche Faktoren sind dafür verantwortlich, dass die Integration von MigrantInnen in unserer sozialen und beruflichen Gesellschaft ein noch wesentliches Problem darstellt?

Die Ergebnisse, welche aus der Beantwortung dieser Fragen resultieren, werden den zu untersuchenden Bildungsmaßnahmen, welche seitens der Wirtschaftspolitik gefördert und umgesetzt werden, gegenübergestellt und untersucht (Nutzen/Wirkung). Diese Arbeit soll einen Ausblick über notwendige berufspädagogische Faktoren und wesentliche, aus der Untersuchung gewonnene Erkenntnisse, geben.

“Wesentliche Erkenntnisse, die sich aus der Analyse der Befragung der KursteilnehmerInnen ergeben, werden für zukünftig zu setzende Ausbildungsschwerpunkte im Bereich der Berufsausbildung für MigrantInnen, von Relevanz sein.”

Durch diese Arbeit soll untersucht werden, inwieweit (im Sinne von Maßnahmen) die Erwachsenenbildung dazu beitragen kann, die Bildungsangebote für MigrantInnen noch wirkungsvoller und gewinnbringender (hinsichtlich des Nutzens für die TeilnehmerInnen) gestalten zu können.

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